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Nachrichten auf den Camps und Besetzengebiet und Bericht auf die Internationale Solidarität für das Saharawi Bevolkerung

  • Gdeim Izik-Gefangene setzen Hungerstreik fort

    Gdeim Izik-Gefangene setzen Hungerstreik fort

    Gdeim Izik-Gefangene setzen Hungerstreik fort

    Die sahrauischen politischen Gefangene haben in marokkanischen Gefängnissen erneut einen Hungerstreik begonnen und fordern ihre Freilassung, bessere Haftbedingungen sowie die Umsetzung von UN-Beschlüssen.

    Ursprünglich veröffentlicht in WSRW am  06. Oktober 2026.

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    Die sahrauischen politischen Gefangenen der Gdeim-Izik-Gruppe sind am 23. September in einen unbefristeten Hungerstreik getreten, um gegen ihre anhaltende Inhaftierung zu protestieren und die Umsetzung von Beschlüssen der UN-Menschenrechtsgremien zu fordern. Die Häftlinge fordern zudem eine Verlegung in Gefängnisse in der besetzten Westsahara, die näher bei ihren Familien liegen.

    Der erneute Hungerstreik folgt auf die Aussetzung eines früheren Hungerstreiks des sahrauischen Menschenrechtsaktivisten Ennaama Asfari am 24. Juli. Nach Angaben des französischen Solidaritätsvereins AARASD, der sich für die Sahrauis einsetzt, nahmen die Gefangenen ihren Protest wieder auf, nachdem die marokkanische Gefängnisverwaltung ihre Zusagen, in einen Dialog zu treten, Verlegungen zu ermöglichen und das Besuchsrecht zu respektieren, nicht eingehalten hatte.

    Die Gruppe von Gdeim Izik wurde nach der Räumung eines großen Protestlagers der Sahrauis vor El Aaiún am 8. November 2010 festgenommen. Tausende Sahrauis hatten sich in dem Lager versammelt, um gegen ihre sozioökonomische Marginalisierung, Arbeitslosigkeit und den Ausschluss von wirtschaftlichen Möglichkeiten in ihrer unter marokkanischer Besatzung stehenden Heimat zu protestieren. Die Demonstrant:innen prangerten zudem die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen der Westsahara an, während die Sahrauis weiterhin marginalisiert blieben.

    Das Lager, das sich auf bis zu 10.000 bis 20.000 Menschen vergrößerte, wurde zu einem Symbol für die Forderungen der Sahrauis nach sozialen und wirtschaftlichen Rechten. Marokkanische Sicherheitskräfte räumten das Camp im Rahmen einer gewaltsamen Operation; es folgten Festnahmen und Gerichtsverfahren, die zu Haftstrafen zwischen 20 Jahren und lebenslanger Haft führten.

    Western Sahara Resource Watch (WSRW) hat bereits zuvor über die sozioökonomischen Missstände berichtet, die dem Protestlager zugrunde lagen, sowie über die anschließende Inhaftierung seiner Teilnehmer:innen.

    In der Stellungnahme Nr. 23/2023 kam die UN-Arbeitsgruppe für willkürliche Inhaftierungen zu dem Schluss, dass die Inhaftierung der Gdeim-Izik-Gruppe willkürlich war, und verwies dabei auf schwerwiegende Verstöße gegen die Garantien für ein faires Verfahren, darunter die Verwendung von Geständnissen, die mutmaßlich unter Folter erzwungen wurden. Die Arbeitsgruppe forderte ihre sofortige Freilassung, Entschädigung sowie eine unabhängige Untersuchung.

    Zu den Gefangenen gehört Sidahmed Lemjiyed, Generalsekretär des CSPRON (Sahrauisches Komitee zum Schutz der natürlichen Ressourcen) und Mitglied des Beirats von WSRW.

    Am aktuellen Hungerstreik beteiligen sich Gefangene, die in den Gefängnissen von Kénitra, Tiflet und Aït Melloul in Marokko inhaftiert sind. Zu ihren Forderungen gehören ein Ende der mutmaßlichen Folter und Repressalien, eine unabhängige medizinische Überwachung sowie regelmäßiger Kontakt zu ihren Familien und Anwälten. Außerdem fordern sie die Verlegung in das Gefängnis im besetzten El Aaiún, da die langen Entfernungen zu den marokkanischen Gefängnissen ihrer Angehörigen erhebliche finanzielle, psychische und soziale Belastungen auferlegen. In der ursprünglichen Ankündigung des Hungerstreiks hieß es, dass neun Gefangene daran beteiligt seien. Nach Informationen von WSRW könnte die Zahl inzwischen auf sieben gesunken sein.

    Am 1. Oktober besuchte das Kollektiv der sahrauischen Menschenrechtsverteidiger:innen in der Westsahara (CODESA) die Familien mehrerer Hungerstreikender. CODESA berichtete, dass die Familie von El-Bachir Khadda Bedenken hinsichtlich Isolation und Schikanen nach seiner Verlegung nach El Aaiún geäußert habe, während die Familie von Abdallah Bahaa angab, seit neun Tagen keinen Kontakt zu ihm gehabt zu haben. Auch die Mutter von Ahmed Sbaai berichtete von einer gravierenden Verschlechterung des Gesundheitszustands ihres Sohnes.

    CODESA hat die marokkanischen Behörden aufgefordert, die Sicherheit der Gefangenen zu gewährleisten, eine unabhängige medizinische Versorgung sicherzustellen und den Kontakt zu ihren Familien und Anwälten zu ermöglichen. Die Organisation hat ihre Forderung nach der sofortigen und bedingungslosen Freilassung der Gdeim-Izik-Gruppe bekräftigt.

    Der erneute Hungerstreik lenkt die Aufmerksamkeit erneut auf die sozioökonomischen Missstände, die 2010 erstmals Tausende von Sahrauis nach Gdeim Izik geführt hatten, sowie auf die anhaltenden Folgen für diejenigen, die nach den Protesten inhaftiert wurden.

  • Kampagne gegen den Film “Die Odyssee” – Berlin

    Kampagne gegen den Film “Die Odyssee” – Berlin

    Als Unterstützung für den Boykottruf von Saharawis hat sich die Solidaritätsbewegung in Berlin vor Theatern präsentiert, die den Film zeigen, um die Besucher über die Misshandlungen des marokkanischen Staates zu informieren.

  • Debatte um „Die Odyssee“ – Nolan auf Irrfahrt im besetzten Land

    Debatte um „Die Odyssee“ – Nolan auf Irrfahrt im besetzten Land

    Debatte um „Die Odyssee“ – Nolan auf Irrfahrt im besetzten Land

    Christopher Nolans neuer Film wurde zum Teil in der besetzten Westsahara gedreht. Das scheint den genialen Filmemacher wenig zu interessieren.

    Ursprünglich veröffentlicht in taz am 21. Juli 2026 – 07:09 CEST.

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    Szene aus dem Film Odyssee, der teilweise in der Westsahara gedreht wurde.
    Foto: Universal Pictures/imago

    Es gab kaum einen Weg vorbei an Christopher Nolans neuem Film „Die Odyssee“, der seit letztem Donnerstag in den Kinos läuft. Ein Marketing Budget von 125 Millionen US-Dollar und eine Starbesetzung mit Elliot Page, Matt Damon, Zendaya, Tom Holland, Anne Hathaway und Robert Pattinson schrie einem quasi ins Gesicht: Geh ins Kino!

    In Vergessenheit geriet dabei die Debatte, die bereits letztes Jahr diskutiert wurde: Christopher Nolan drehte Teile seines Films in der völkerrechtswidrig besetzten Westsahara, einem Gebiet, das als „die letzte Kolonie Afrikas“ bezeichnet wird. Bis heute wird jegliche Äußerung oder Einordnung seitens Nolan vermisst.

    Ziemlich genau vor einem Jahr rief das Sahara International Film Festival „FiSahara“ Christopher Nolan und den Cast dazu auf, die Dreharbeiten in Dakhla, einer Küstenstadt in Westsahara, zu stoppen. Bereits seit 1975 besetzt Marokko große Teile der Westsahara, direkt nach dem Abzug der Kolonialmacht Spanien.

    Eigentlich hätte es damals ein Referendum geben sollen, bei dem die Bevölkerung über die Unabhängigkeit und Zukunft des Landes hätte abstimmen können. Das ist bis heute nicht passiert. Es folgte ein jahrzehntelanger bewaffneter Konflikt mit der Unabhängigkeitsbewegung Frente Polisario und die Vertreibung der indigenen Sahrauis.

    Gutes Marketing für Marokko

    Zu den Vertriebenen gehören auch die Ma­che­r:in­nen des „FiSahara“ Filmfestivals, die in ihrer Heimat keine Filme drehen können, sondern aus einem Flüchtlingslager im Südwesten Algeriens agieren. „Der einfache Akt, eine Kamera zu halten, kann in meinem Heimatland Westsahara ein Vergehen sein“, schreibt auch der Journalist Mohamed Sleiman Labat in einem Kommentar für den Guardian.

    Denn wenn nicht Christopher Nolan die Kamera hält, sondern ein sahrauischer Filmemacher wie Labat, dann kann das im Gefängnis enden. Reporter ohne Grenzen bezeichnen deshalb die Westsahara auch als „Wüste für den Journalismus“.

    Während Marokko also internationale Pres­se­ver­tre­te­r:in­nen und Menschenrechtsorganisationen die Einreise verweigert, stehen dem Tourismus inklusive Yoga-Retreats, Surfcamp und Luxusresort sowie der Filmbranche alle Türen offen. Eine Strategie, die von imperialistischen Staaten gern angewendet wird, um von territorialen Konflikten und Menschenrechtsverletzungen abzulenken und gleichzeitig die eigene Besatzung zu legitimieren. In anderen Worten: Gutes Marketing.

    Die gelebte Odyssee der Sahrauis

    Seit letztem Sommer fordert das Filmfestival deshalb von Nolan eine Solidarisierung mit den Sahrauis und das Aufklären über die Besatzung Marokkos. An dem Aufruf beteiligten sich zahlreiche Journalist:innen, Ak­ti­vis­t:in­nen und Filmemacher:innen. In den aktuellen Filmkritiken ist nur wenig davon zu hören.

    Während Nolands Verfilmung von Homers Epos Themen wie Vertreibung, Familientrennung und den Kampf um die Rückkehr in die Heimat behandelt, grenzt es an Ironie, dass sich diese Parallelen in der real gelebten Odyssee der Sahrauis widerspiegeln. Dabei ist die Frage nicht, ob eine einflussreiche Person wie Christopher Nolan diesen kulturell aufgeladenen und komplexen Konflikt mit einem Statement hätte lösen können.

    Es stellt vielmehr die Verantwortlichkeit weißer, reicher, privilegierter Menschen in den Mittelpunkt, die auch dann nicht handeln wollen, wenn ihnen die Fakten auf einem Silbertablett serviert werden. Selbst wenn das Rechercheteam der „Odyssee“ von dem Konflikt in der Westsahara vor den Dreharbeiten nichts wusste, hatten Nolan, Universal Pictures und auch die Schau­spie­le­r:in­nen ein Jahr lang Zeit, sich zu äußern.

    Oder – wie „FiSahara“ forderte – die gedrehten Szenen auf besetztem Gebiet im finalen Schnitt nicht zu zeigen. Jemand wie Nolan, der sich damit brüstet, menschliche Konflikte und philosophische Fragen in seinen Filmen zu zentrieren, um damit gesellschaftliche Diskurse anzuregen, verkennt hier seine Chance, bei einem aktuellen Konflikt Stellung zu beziehen. Und das Publikum feiert ihn weiterhin als genialen Filmemacher. Denn er hat doch als erster einen ganzen Blockbuster auf der analogen IMAX-70-mm-Filmkamera gedreht.

  • Eine offene Rechnung mit der Geschichte der Sahara

    Eine offene Rechnung mit der Geschichte der Sahara

    Eine offene Rechnung mit der Geschichte der Sahara

    Die Zustimmung des Parlaments zu dem Gesetz, das den Sahrauis die Staatsangehörigkeit gewährt, trägt dazu bei, die überstürzte Entkolonialisierung des Gebiets vor einem halben Jahrhundert zu korrigieren.

    Ursprünglich veröffentlicht in El País am 27. Juli 2026 – 05:30 CEST.

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    Caltum Mohamed Alí (links) und seine Familie in einem saharauischen Flüchtlingslager an der algerischen Grenze. Mónica Torres

    Der Rückhalt im Parlament für das Gesetz, das Sahrauischen, die unter der spanischen Flagge geboren wurden, die Staatsbürgerschaft verleiht, korrigiert eine der Folgen der hastigen Entkolonialisierung des Gebiets vor einem halben Jahrhundert und stellt einen guten Schritt zur Wiedergutmachung einer historischen Schuld dar. Der Gesetzentwurf, der von Sumar eingebracht wurde, hat nur drei Gegenstimmen erhalten, und zwar von Vox, in der Justizausschuss des Kongresses. Gleichzeitig hat er die Unterstützung der Mehrheit der Regierungsbildung erhalten, mit Ausnahme von Junts, das sich enthalten hat. Gleiches tat die PP, die im letzten Jahr für die Berücksichtigung des Antrags gestimmt hatte und vor etwa einem Monat gegen den Ergebnisbericht gestimmt hatte. Das ist eine gute Nachricht, weil ein solches Gesetz den größtmöglichen Konsens verdient.

    Das weitere Verfahren sieht vor, dass das Plenum des Kongresses im September darüber abstimmt und anschließend im Senat weiter behandelt wird. Wenn jedoch ein vorgezogener Wahltermin den Gesetzgebungsweg unterbricht – so wie es vor drei Jahren geschah – könnten bis zu 200 000 im spanischen Verwaltungsrahmen geborene Sahrauische und ihre Nachkommen die Staatsbürgerschaft per Gesetzesbeschluss erhalten. Dafür müssen sie mit Unterlagen der UNO oder der spanischen Verwaltung nachweisen, dass sie vor dem 29. September 1977 im Westsahara-Gebiet geboren wurden, also vor Ablauf der damals von der spanischen Regierung gewährten einjährigen Frist zur Beantragung der Staatsbürgerschaft. Die spanischen Truppen hatten das Gebiet bereits am 26. Februar 1976 an Marokko übergeben; anschließend stand es fast vier Jahre lang unter mauretanischer Verwaltung.

    Die Betroffenen erhalten das gleiche Recht wie Iberoamerikaner, Filipinos, Äquatorialguineer, Sepharden und Portugiesen, die nach nur zwei Jahren Aufenthalt die spanische Staatsbürgerschaft erwerben können, anstatt der üblichen zehn Jahre.

    Ein Pass steht den Sahrauischen zu, die während der spanischen Kolonialzeit geboren wurden und entweder noch im Territorium leben, im Exil in den Flüchtlingslagern von Tinduf im Südwesten Algeriens oder in der Diaspora in Europa. Da der Sicherheitsrat der UNO den Plan Marokkos für Autonomie vor neun Monaten ohne Gegenstimmen angenommen hat, tendiert die internationale Gemeinschaft – einschließlich Spanien – zu diesem Modell, während Marokko das Gebiet seit mehr als einem halben Jahrhundert kontrolliert. Der Polisario‑Front hingegen setzt sich für die Unabhängigkeit durch ein Selbstbestimmungsreferendum ein.

    Trotz alledem signalisiert die Abstimmung im Kongress, dass Spanien seine bisherige Zurückhaltung überwindet und sich für die Kinder des Westsahara einsetzt, die unter seiner Flagge geboren wurden. Indem das Land beginnt, die Schuld für das Verlassen seiner ehemaligen Provinz Nr. 53 zu begleichen, ehrt es zumindest seine Geschichte. So, wie Spanien nach 500 Jahren den Sepharden und später den Nachkommen der im Spanischen Bürgerkrieg vertriebenen Exilanten Aufnahme gewährte, sollte es nun auch den Sahrauischen, denen man vor 50 Jahren den Rücken gekehrt hatte, Unterstützung bieten.